Irma Claußen – Biographie

Irma Liesel Claußen wird am 11. März 1926 als drittes Kind von Gerhard Claußen und Mathilde Claußen auf dem elterlichen Hof in Lintel (heute: Heiko Claußen) geboren. Sie ist die jüngere Schwester von Gerda Ehlers und Else Mönnich und die ältere Schwester von Christa Basse und Günter Claußen.

Zwei Tage vor Irmas Geburt stellt der deutsche Schwimm-Star Erich Rademacher in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut gleich beim ersten großen Wettkampf seiner Nordamerika-Tournee einen neuen Weltrekord auf: Über 400 Meter Brust schlägt er nach 5 Minuten und 50,2 Sekunden an. Bis Mitte April glänzt Rademacher mit einer ganzen Reihe zusätzlicher Bestmarken, darunter drei weiteren Weltrekorden. Amerikanische Reporter taufen den erstaunlichen Gast bewundernd den „menschlichen Fisch“, deutsche Zeitungen überschlagen sich ebenfalls vor Lob. Vor seiner Rückreise wird Rademacher im Weißen Haus in Washington von US-Präsident Calvin Coolidge empfangen, und auch die Ankunft in seiner Heimatstadt Magdeburg gerät zum Triumphzug.

Für den 1901 geborenen Ausnahme-Athleten ist es eine späte Genugtuung. Schließlich hat der im August 1914 ausgebrochene Erste Weltkrieg Rademachers im Jahr zuvor begonnene Schwimmkarriere zunächst jäh unterbrochen. Hinzu kommt der daraus resultierende Ausschluss deutscher Sportler von den Olympischen Spielen: Weder 1920 in Antwerpen noch 1924 in Paris darf er antreten – obwohl seine jeweiligen Bestzeiten weit vor denen der späteren Olympia-Sieger liegen. Bereits vor seiner US-Tournee hält Rademacher im Brustschwimmen die Weltrekorde über alle Distanzen von 100 bis 500 Meter gleichzeitig.

Als Deutschland 1928 bei den Spielen in Amsterdam erstmals wieder zugelassen ist, gilt Rademacher als haushoher Favorit über 200 Meter Brust. Im Finale muss er sich jedoch dem zwei Jahre jüngeren Japaner Yoshiyuki Tsuruta geschlagen geben und mit Silber vorliebnehmen. Eine herbe Enttäuschung, über die auch ein eher unerwarteter Erfolg nicht hinwegtrösten kann: Als Torwart der deutschen Wasserball-Mannschaft holt Rademacher wenige Tage später doch noch Gold gegen das zunächst favorisierte Team aus Ungarn. Im Sommer 1932 in Los Angeles tritt er dann in seiner Paradedisziplin Brustschwimmen nicht mehr an – gewinnt aber mit den Wasserballern, die dieses Mal das Finale gegen Ungarn verlieren, seine zweite Silbermedaille.

Zwischen den beiden Olympia-Teilnahmen liegen nur vier Jahre. Doch in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit hat sich das politische Klima in Deutschland dramatisch verändert. Die vom Börsen-Crash an der New Yorker Wall Street ausgelöste Weltwirtschaftskrise hat die von vielen Bürgern ungeliebte Republik spätestens seit Sommer 1931 fest im Griff, die Zahl der Arbeitslosen klettert in den folgenden zwölf Monaten auf über sechs Millionen. Davon profitiert vor allem die NSDAP, die bei der Reichstagswahl vom Juli 1932 mit 37,4 Prozent zur stärksten Partei aufsteigt. Am 30. Januar 1933 ernennt Reichspräsident Paul von Hindenburg deren Führer Adolf Hitler zum Reichskanzler und ebnet damit dem NS-Staat den Weg.

Zu diesem Zeitpunkt besucht Irma in Lintel bereits seit fast einem Jahr die örtliche Volksschule. Dort gehören unter anderem Luise König, Elfriede Stöver und Gisela Tönjes zu ihrem Jahrgang. Mit im selben Klassenzimmer sitzen auch Irmas ältere Schwestern Gerda (Jahrgang 1922) und Else (1924). Später kommen noch die jüngeren Geschwister Christa (1928) und Günter (1930) hinzu. Hauptlehrer Friedrich Wilhelm Rose – er übernimmt im Frühjahr 1933 die Leitung der einzügigen Schule – unterrichtet also für kurze Zeit alle fünf Claußen-Kinder gleichzeitig.

Irma ist zwar eine gute Schülerin, aber während ihrer Kindheit auch etwas kränklich und vor allem sehr kälteempfindlich. So verliert sie im Winter des Öfteren die Besinnung, wenn sie nach dem Weg zur Schule oder zurück ins Warme kommt, und muss dann erst einmal kurz ausruhen. Vater Gerhard, der den von Irmas Großvater Johann Diedrich Claußen gekauften, rund 15 Hektar großen Hof 1917 nach dessen Tod übernommen hat, sieht deshalb die Zukunft seiner Tochter eher nicht in der Landwirtschaft. Noch bevor sich diese Überlegungen konkretisieren lassen, löst der am 1. September 1939 von Hitler befohlene Überfall der Wehrmacht auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus – an dem zum Glück weder Gerhard Claußen (Jahrgang 1888) noch der einzige Sohn Günter teilnehmen müssen.

Am 17. März 1940 wird Irma in der St.-Elisabeth-Kirche in Hude konfirmiert. Zwei Tage später hält sie ihr Abschlusszeugnis der Volksschule in der Hand. Mit dem Ziel, später selbst einmal zu unterrichten, besucht Irma danach die Lehrerinnenbildungsanstalt Körbecke im Sauerland. Ein großer Schritt für die damals 14-Jährige – weg aus dem beschaulichen Heimatdorf, von der Familie, den Freundinnen. Aber auch eine prägende, durch zahlreiche Fotos dokumentierte Zeit mit vielen neuen Eindrücken und Freundschaften. Manche davon halten ein ganzes Leben lang, etwa jene zu Änne Raß aus Varel, Gerda Hahn aus Rastede und Helga Meyer aus Sande.

Schon bald wird Irma klar, dass Lehrerin möglicherweise doch nicht der richtige Beruf für sie ist. Im Frühjahr 1942 bricht sie die Ausbildung ab und wechselt auf die Landfrauenschule nach Neuenburg. Anderthalb Jahre später beginnt in Grimmens im Wangerland der praktische Teil ihrer Lehre zur ländlichen Hauswirtschaftsgehilfin, die Irma im September 1944 mit Erfolg abschließt. Auf beiden Stationen begleitet wird sie von Änne Raß, die in Grimmens ihren späteren Ehemann Heinrich Ihnken kennenlernt. Danach kehrt Irma nach Lintel zurück und tritt Anfang Januar 1945 auf der Molkerei in Wüsting eine Stelle als Kontoristin an.

Zwischen Beginn und Ende der Ausbildung liegen wieder nur etwas mehr als vier Jahre. Doch einmal mehr hat sich das äußere Umfeld radikal verändert. Sah es im Sommer 1940 nach den siegreichen Feldzügen gegen Polen und Frankreich noch so aus, als könne die Wehrmacht in Europa ein Land nach dem anderen erobern, steht sie im Januar 1945 fast überall mit dem Rücken zur Wand. Im Westen haben die Amerikaner mit Aachen schon im Oktober 1944 die erste deutsche Großstadt besetzt, im Osten rückt die Rote Armee unaufhaltsam Richtung Berlin vor. Die bedingungslose Kapitulation, Anfang Mai verkündet, ist nur eine Frage der Zeit. Trotzdem sterben in den letzten Kriegsmonaten noch hunderttausende Soldaten und Zivilisten.

Wie Irma das letzte Aufbäumen der nationalsozialistischen Terrorherrschaft und die ersten Monate danach erlebt, lässt sich mangels Überlieferung allenfalls erahnen. Doch Kühe werden auch in der Stunde Null weiter gemolken, Milchkannen nach vermutlich nur kurzer Unterbrechung wieder angeliefert – Irma bleibt also auf ihrer Arbeitsstelle tagtäglich gefordert. Die Versorgung der notleidenden Bevölkerung mit Lebensmitteln hat zudem für die Besatzungsbehörden höchste Priorität. Auch in Lintel und den anderen Dörfern rund um Wüsting, wo im Sommer und Herbst 1945 ein beispielloses Kommen und Gehen herrscht: Einheimische treffen auf britische und kanadische Soldaten, polnische, russische und französische Zwangsarbeiter ziehen ab, Wehrmachts-Angehörige aus der Region kehren heim, andere, aus allen Ecken Deutschlands stammende ehemalige Kameraden werden als Erntehelfer eingesetzt, hunderte Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten benötigen ein Dach über dem Kopf.

So trostlos die damalige Situation für viele Menschen auch sein mag – speziell in der jungen Generation gibt es ein großes Bedürfnis, die von Verzicht und Schrecken geprägte Vergangenheit hinter sich zu lassen und zumindest einen Teil dessen nachzuholen, was in sechs Kriegsjahren versäumt wurde. Nach der oft harten Arbeit gibt es deshalb an den Wochenenden regelmäßig Tanzveranstaltungen, auf denen viele künftige Paare zueinanderfinden. Dort ist vermutlich auch Irma mehr oder weniger regelmäßig zu Gast. Dass eine in diesem Umfeld angebahnte Beziehung für sie ungewollte Folgen haben wird, lässt sich spätestens im Herbst 1946 nicht mehr verheimlichen.

Über den Vater ihrer im Januar 1947 geborenen Tochter Bärbel wird in der Folge nie viel gesprochen, wohl aber – da macht Lintel in jenen Jahren keine Ausnahme – getuschelt. Für Irma nicht immer leicht. Obwohl die Familie hinter ihr steht und sie nach der Entbindung wieder arbeiten gehen kann (Mutter Mathilde sowie Schwester Christa kümmern sich in dieser Zeit liebevoll um den Neuankömmling), strebt sie nach einer Veränderung. Sie sichtet überregionale Stellenangebote und findet eine für sie passende Ausschreibung der Molkerei in Jeinsen, knapp 20 Kilometer südlich von Hannover. Dort hat sie am 1. Dezember 1950 ihren ersten Arbeitstag, während Bärbel in der Obhut der Großmutter bleibt.

Ganz in der Nähe von Jeinsen liegt Schloss Marienburg, eine ehemalige Sommerresidenz des Hannoveraner Königshauses. Dort heiratet am 31. August 1951 Prinz Ernst August IV. von Hannover Prinzessin Ortrud von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Nach der standesamtlichen Trauung stehen junge Damen aus den umliegenden Orten für das Paar Spalier. Irma ist mit dabei und erhält sogar kurz Gelegenheit, mit einem Bruder des Prinzen für ein Erinnerungsfoto zu posieren. Für sie zweifellos ein besonderer Moment, an den sie noch lange zurückdenken dürfte. Doch auch wenn Irma noch andere positive Erinnerungen an dieses erneute Jahr in der Fremde hat, auf Dauer hält es sie nicht dort. Allein schon wegen Bärbel: Ihre Tochter bekommt Irma in dieser Zeit nur sporadisch bei Besuchen im Elternhaus zu Gesicht.

Nächster Arbeitgeber ist von September 1952 an die Molkerei in Hude, die Irma in ihren Räumlichkeiten ein privates Zimmer zur Verfügung stellt. Die Atmosphäre in der Molkerei behagt ihr jedoch nicht sonderlich. Deshalb beschließt sie, sich in Oldenburg mit einem kleinen Milchgeschäft selbstständig zu machen. Der Anfang am 25. August 1954 in einem Souterrain an der Alexanderstraße ist zwar bescheiden, kommt aber Irmas Drang nach Selbstbestimmung entgegen. Das Privileg, von niemandem abhängig zu sein und keine Anweisungen entgegennehmen zu müssen, entschädigt für so manche Unannehmlichkeit.

Weil die zum Geschäft gehörende Wohnung kaum Komfort bietet und um ihre Tochter nicht aus dem gewohnten schulischen Umfeld herauszureißen, bleibt Bärbel bis auf Weiteres bei den Großeltern wohnen. Als sie Ende 1958 die Aufnahmeprüfung für das Graf-Anton-Günther-Gymnasium schafft, steht ihrem Wechsel nach Oldenburg jedoch nichts mehr im Wege. Noch bevor es soweit ist, stirbt in Lintel nach längerer Krankheit Mathilde Claußen. Irmas Mutter wird nur 59 Jahre alt.

Anfang 1961 eröffnet sich Irma die Chance, an der Alexanderstraße größere Geschäftsräume zu mieten. Die dazugehörige Wohnung umfasst zwei Zimmer, Küche und Bad; für sie und Bärbel ein zuvor nicht gekannter Komfort. Zunächst läuft der Betrieb recht gut. Dann jedoch gewinnt das 1955 von den Einzelhandels-Pionieren Fritz und Anni Eklöh etablierte Selbstbedienungs-Konzept bei der Oldenburger Kundschaft mehr und mehr Marktanteile. Irma erkennt rasch, dass sie dagegen auf Dauer kaum ankommen wird. Am 28. Februar 1963 schließt sie ihren Laden für immer. Vier Wochen später kehrt sie dann in ihren ursprünglichen Beruf als Kontoristin und Buchhalterin zurück, angestellt beim damals in der Nadorster Straße ansässigen, auf Baubeschläge und andere Eisenwaren spezialisierten Großhändler Kammeyer & Krebs.

Damit verbunden ist für sie und Bärbel ein erneuter Umzug, in eine zur Oldenburger Filiale des Unternehmens gehörende Oberwohnung. Diese bleibt auch dann noch ihr Domizil, als Kammeyer & Krebs zum 31. Januar 1964 den Standort Oldenburg aufgibt und Irma direkt im Anschluss eine vergleichbare Beschäftigung beim Logistik-Unternehmen Midgard Deutsche Seeverkehrs-AG aufnimmt. Im September 1970 hat sie dann erneut das Pech, dass sich ihr Arbeitgeber aus Oldenburg zurückzieht. Das Angebot, in die Zentrale nach Nordenham zu wechseln, lehnt Irma ab. Als sie daraufhin bei der Oldenburgischen Landesbrandkasse vorstellig wird, erhält sie den Rat, es beim Schwester-Unternehmen Öffentliche Versicherung zu versuchen. Den setzt sie prompt in die Tat um und schafft abermals den nahtlosen Übergang. Von Oktober 1970 bis zum Eintritt in den vorgezogenen Ruhestand am 1. April 1984 arbeitet sie bei der Öffentlichen in der Beitragsbuchhaltung, macht sich mit den Feinheiten der immer komplexer werdenden Datenverarbeitung vertraut und steigt rasch zur Team-Leiterin auf.

Privat gibt es in dieser Zeit einige Veränderungen. Tochter Bärbel heiratet im September 1966 Uwe Schneider und bezieht mit ihrem Ehemann eine eigene Wohnung in der Goethestraße. Im Dezember 1967 kommt Enkelsohn Torsten zur Welt. Mit 41 Jahren Oma zu werden, das ist für Irma eine ganz besondere Erfahrung. So empfindet es zumindest Bärbel – und glaubt, dass Irma darin eine Gelegenheit sieht, so manches Versäumte in der eigenen Mutter-Kind-Beziehung nachzuholen. Großmutter und Enkel verbringen in den folgenden Jahren viel Zeit miteinander.

Eine Woche vor Heiligabend 1971 erhält Irma wegen Eigenbedarfs die Kündigung für ihre Wohnung an der Nadorster Straße, die sie mit Bärbels und Uwes Hilfe gerade erst aufwändig renoviert hatte. Es ist einer der seltenen Momente, in denen Bärbel ihre Mutter weinen sieht. Eine neue Wohnung in der Ruselerstraße findet sich rasch, doch der Vorfall führt Irma einmal mehr vor Augen, welch hohen Stellenwert Unabhängigkeit im Leben hat. Vielleicht reift daraus der 1972 umgesetzte Entschluss, endlich – mit 46 Jahren – den Führerschein zu machen. Nach bestandener Prüfung wird ein mehr als 20 Jahre alter VW-Käfer (noch mit geteiltem Heckfenster) Irmas erstes eigenes Auto, gefolgt von einem weiteren Käfer und zwei Opel Astra. Ihre neue Mobilität nutzt sie unter anderem mit regelmäßigen Besuchen bei Schwester Christa, die seit 1961 in Eime bei Hildesheim wohnt.

Im Ruhestand verspürt Irma keinerlei Langeweile. Sie arbeitet gerne und ausdauernd im eigenen Garten, ruft eine Karten-Runde mit den „Friesen-Mädchen“ aus Körbecke und deren Ehemännern ins Leben, geht kegeln, fährt regelmäßig im Fan-Bus zu den Heimspielen von Werder Bremen und unternimmt zahlreiche Urlaubsreisen. Die führen sie fast ausnahmslos in wärmere Länder, denn Wärme ist für Irma ein Lebenselixier. „Kalt in Deutschland“ lautet stets der erste Kommentar, wenn sie etwa von ihrer Lieblingsinsel Mallorca nach Hause zurückkehrt. Den Höhepunkt ihrer Reise-Historie markiert zweifellos ein Drei-Generationen-Urlaub mit Bärbel und Torsten in Südafrika, wo sie 1997 an Bord eines Luxus-Zuges vom Kruger-Nationalpark nach Pretoria ihren 71. Geburtstag feiert.

Zu diesem Zeitpunkt lebt Irma bereits seit vier Jahren in einer Eigentumswohnung in der Kiesgrubenstraße. Dort liegen Freud und Leid fortan nah beieinander. Besonders negativ bleibt ihr das Jahr 2002 im Gedächtnis. Es beginnt im Januar mit dem plötzlichen Tod ihres Schwiegersohns (Uwe Schneider stirbt im Alter von 63 Jahren an einem Herzinfarkt) und endet im Dezember mit einem Schlaganfall. Zunächst ist nicht klar, ob Irma je wieder in ihre Wohnung zurückkehren kann, doch mit der ihr eigenen Willensstärke kämpft sie sich Stück für Stück in den Alltag zurück und straft damit die Prognosen der Ärzte Lügen.

Im März 2006 feiert Irma mit der Familie, Freunden und Bekannten ihren 80. Geburtstag. Nur eine Woche später stirbt in Lintel Bruder Günter. Trotzdem überwiegt am Ende des Jahres das Positive: Einem gemeinsamen Madeira-Urlaub mit Tochter Bärbel im Mai folgt im Juni die Geburt von Urenkelin Annika, und im November heiratet Enkel Torsten im Celler Schloss deren Mutter Jasmina. Im Februar 2007 ziehen alle drei beruflich bedingt für 15 Monate nach Kingston upon Thames. Selbstverständlich lässt es sich Irma nicht nehmen, sie auch in der nahe London gelegenen Partnerstadt von Oldenburg zu besuchen. Den beiden Flügen dorthin (im August 2007 und Dezember 2007) folgen 2008 und 2009 noch zwei Urlaube auf Mallorca, ehe Irma feststellt, dass diese Art zu reisen sie kräftemäßig allmählich doch etwas überfordert. Die nächsten Urlaube führen sie dann nach Rügen und Usedom sowie ins Ostsee-Heilbad Kühlungsborn.

Nach ihrem zehn Jahre zuvor erlittenen Schlaganfall gibt es Anfang 2012 einen weiteren gesundheitlichen Einschnitt. Beim nächtlichen Aufstehen aus dem Bett fällt Irma so unglücklich, dass sie mit dem Kopf aufschlägt und viel Blut verliert. Der Heilungsprozess zieht sich in die Länge, aber Irma berappelt sich ein weiteres Mal und kann – betreut von einem ambulanten Pflegedienst – in ihrer Eigentumswohnung bleiben. Indes, ihre Kräfte schwinden weiter, und im Februar 2014 folgt der nächste Sturz. Dabei bricht Irma sich den Oberschenkelkopf und den rechten Arm. Eine Rehabilitation bringt nicht die erhofften Verbesserungen, ermöglicht es ihr aber (unterbrochen von stetig wiederkehrenden Phasen der Kurzzeitpflege) noch einmal, nach Hause zurückzukehren. Am Abend des 9. Dezember 2015 wird Irma dann, inzwischen bettlägerig, mit Verdacht auf Darmverschluss ins Pius-Hospital eingeliefert. Dort stirbt sie in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages. Bestattet ist Irma am 21. Dezember 2015 auf dem Donnerschweer Friedhof in Oldenburg.