Christa Kück – Biographie

Christa Marianne Kück wird am 29. Juni 1944 als zweites Kind von Fritz Halle und Erna Halle in Oldenburg geboren. Sie ist die Zwillingsschwester von Irmgard Punke und die ältere Schwester von Angela Bock.

Die Wochen um Christas Geburt sind geprägt vom flächendeckenden Rückzug der Wehrmacht auf nahezu allen Frontabschnitten des Zweiten Weltkriegs. Im Osten startet die Rote Armee am 22. Juni 1944 die Operation Bagration. Das anfängliche Ziel, die Rückeroberung der belarussischen Hauptstadt Minsk, ist schnell erreicht, und dann geht es bis Ende August in raschem Tempo weiter Richtung Baltikum und Ostpreußen. Im Rückblick gilt der vollständige Zusammenbruch der in der Region stationierten Heeresgruppe Mitte in jenen Wochen als die schwerste und verlustreichste Niederlage der deutschen Militärgeschichte. Eine Stabilisierung der Ostfront gelingt der Wehrmacht fortan bis zum Kriegsende nur noch für kurze Zeit und örtlich begrenzt. Am 23. Juli befreien sowjetische Truppen mit dem KZ Majdanek das erste deutsche Vernichtungslager.

Im einst unter Benito Mussolini mit Hitler-Deutschland verbündeten Italien rücken die Mitte 1943 auf Sizilien gelandeten US-Truppen weiter Richtung Norden vor und erreichen Anfang Juni 1944 Rom. Am 9. Juni müssen die deutschen Truppen auch die Toskana räumen. In den von ihnen noch gehaltenen Gebieten sehen sie sich zudem immer stärkeren Angriffen des italienischen Widerstands ausgesetzt. Als Partisanen im Dorf Civitella in der Provinz Arezzo drei deutsche Fallschirmjäger töten, kommt es dort sowie in den benachbarten Dörfern Cornia und San Pancrazio am Morgen des 29. Juni zu einem von Wehrmachts-Angehörigen verübten Massaker, dem mutmaßlich mehr als 200 Bewohner – Männer, Frauen und Kinder – zum Opfer fallen.

Im Westen schließlich gelingt den Alliierten am 6. Juni 1944 die lange geplante Invasion in der Normandie. Trotz starker deutscher Gegenwehr erzielen ihre Truppen rasch Geländegewinne und bauen den Brückenkopf im Norden Frankreichs kontinuierlich aus. Ende Juni befinden sich dort bereits 850.000 Soldaten, 149.000 Fahrzeuge und 570.000 Tonnen Material. In ihrem Kampf gegen die Résistance verüben Mitglieder der Waffen-SS diverse Massaker an der Zivilbevölkerung, unter anderem am 10. Juni in Oradour-sur-Glane. Insgesamt sind in dem nahe Limoges gelegenen Dorf 643 Todesopfer – 190 Männer, 246 Frauen und 207 Kinder – namentlich dokumentiert.

Dass in der seit 1933 gleichgeschalteten Presse Hitler-Deutschlands über die genannten Massaker keine Zeile zu lesen ist und dass deren Redakteure die zunehmend hoffnungslose Lage an den Fronten aus gänzlich anderem Blickwinkel betrachten, dürfte nicht weiter überraschen. So stellt die „Oldenburgische Staatszeitung“ in ihrer Ausgabe vom 29. Juni 1944 unter der Überschrift „Das Heldentum von Cherbourg“ den „Kampfgeist deutscher Soldaten in vermauerten Höhlen und unterirdischen Gängen“ heraus. „Normandie frisst immer mehr Feindkräfte“ heißt es fünf Tage später und „Sperrlinien halten Sowjet-Ansturm auf“ in der Propaganda-Schlagzeile vom 13. Juli. Doch auch wenn viele Leser in Oldenburg und im benachbarten Tweelbäke – dem Wohnort von Christas Eltern – vermutlich unterschwellig ahnen, dass die militärische Lage weitaus ernster ist als es ihnen suggeriert wird: Damit, dass alliierte Truppen ihre norddeutsche Heimat schon neun Monate später weitgehend kampflos einnehmen und die Wehrmacht Anfang Mai 1945 bedingungslos kapitulieren muss, rechnen wohl nur wenige.

Wie Fritz und Erna Halle mit den Zwillingstöchtern auf ihrem Hof am Barkemeyersweg (heute: Heino und Irmgard Punke) die letzten Kriegsmonate konkret erleben, liegt heute im Dunkeln. Dasselbe gilt für Christas erste bleibende Erinnerungen an die Nachkriegszeit. Immerhin, noch vor der Einschulung in die Volksschule Tweelbäke verbessert die Währungsreform vom Juni 1948 quasi über Nacht die Lage in den drei westlichen Besatzungszonen. Es folgen die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und ein langanhaltender, später als „Wirtschaftswunder“ bezeichneter Aufschwung. Das „Wunder von Bern“, der Sieg der deutschen Nationalmannschaft bei der in der Schweiz ausgetragenen Fußball-WM, sorgt dann wenige Tage nach Christas zehntem Geburtstag in der noch jungen Republik erstmals für ein kollektives „Wir-Gefühl“.

Nach Schulabschluss und Konfirmation bleibt Christa zunächst auf dem elterlichen Hof, wo bald darauf die jüngere Schwester Angela die Familie komplett macht. Später geht Christa dann im Haushalt des Oldenburger Kaufmanns Georg Hanßmann in Stellung. Der angesehene Inhaber des traditionsreichen Handelshauses Sartorius macht sich Anfang der 1960er Jahre einen Namen als Initiator des Herbartgangs und ist auch maßgeblich an der Entstehung des 1968 eröffneten Parkhauses am Waffenplatz beteiligt.

In ihrer knapp bemessenen Freizeit ist Christa viel mit Zwillingsschwester Irmgard unterwegs. Neben diversen Veranstaltungen der Landjugend Tweelbäke gehört dabei der Besuch des örtlichen Schützenfestes, das jedes Jahr im Juni rund um die Gastwirtschaft von Johann und Johanne Decker stattfindet, zum Pflichtprogramm. Kurz vor ihrem 18. Geburtstag lernt Christa dort Hartwig Kück aus Lintel kennen. Beide finden Gefallen aneinander und werden schnell ein Paar.

Hartwig bewirtschaftet in Lintel den Hof seines Onkels Heinrich Runge und betreibt dort eine Schweinezucht. Da Heinrich keine Kinder hat, soll Hartwig – so sieht es das Testament seines Großvaters Diedrich Runge vor – den rund zehn Hektar großen Betrieb später weiterführen. Mit auf dem Hof lebt Hartwigs unverheiratete Tante Alwine Runge, sie und ihre Schwester Emma Schwarting haben Christas künftigen Ehemann nach dem Tod seiner Mutter Frieda großgezogen.

In Hartwigs Umfeld in Lintel wird Christa freundlich aufgenommen. Nachdem beide in den folgenden Jahren auf den Hochzeiten befreundeter oder mit ihnen verwandter Paare diverse Male als Trauzeugen agieren, treten sie am 9. Februar 1968 in Hude selbst vor den Traualtar. Anschließend wird mit Freunden, Verwandten sowie Christas neuen und alten Nachbarn im Gasthof von Mathilde Knutzen (heute: Rock-Paradise) gefeiert. Für die Braut ein schöner, aber angesichts ihrer schon einige Monate zuvor zur Gewissheit gewordenen Schwangerschaft mit Sicherheit auch anstrengender Abend.

In den Tagen vor der geplanten Niederkunft geht es Christa nicht gut, wegen ihrer auffälligen Kurzatmigkeit schickt ihr Hausarzt sie am 18. April 1968 zur Beobachtung ins Peter Friedrich Ludwigs Hospital nach Oldenburg. Nur Stunden nach der Einlieferung kommt es zu lebensbedrohlichen Komplikationen, die das Klinikpersonal nicht in den Griff bekommt: Christa und ihr ungeboren gebliebenes Baby sterben Ärzten und Krankenschwestern buchstäblich unter den Händen weg.

Beerdigt wird Christa vier Tage nach ihrem tragischen und viel zu frühen Tod auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude.