Frieda Kück – Biographie

Frieda Kück wird am 17. Oktober 1910 als drittes Kind von Diedrich Runge und Gesine Runge auf dem elterlichen Hof in Lintel (heutiger Eigentümer: Hartwig Kück) geboren. Sie ist die jüngere Schwester von Heinrich Runge und Alwine Runge und die ältere Schwester von Emma Schwarting.

Zwei Wochen vor Friedas Geburt mündet im Königreich Portugal die Ermordung des republikanischen Politikers Miguel Bombarda in einen Staatsstreich, vor dem König Manuel II. am 4. Oktober 1910 nach Gibraltar flüchtet. Am 5. Oktober ruft der spätere Finanzminister José Relvas vom Balkon des Rathauses von Lissabon die Republik aus. Deren erster Präsident Teófilo Braga verliert keine Zeit und verkündet in den folgenden Tagen eine Reihe von gegen die bisherige Oberschicht und die katholische Kirche gerichteten Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem die Auflösung von religiösen Orden (7. Oktober) und die Abschaffung sämtlicher Adelstitel (17. Oktober). Später kommen die Verstaatlichung von Kirchenbesitz und das Verbot von Religionsunterricht in den Schulen hinzu. Parallel dazu beschließt die provisorische Regierung fortschrittliche Gesetze wie die Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe sowie die Abschaffung des Scheidungsverbots.

Die Unzufriedenheit der Portugiesen mit ihrer Monarchie hat sich über Jahrzehnte hinweg aufgestaut. Vom Glanz des einstigen Weltreichs ist nach der Unabhängigkeit Brasiliens nur wenig geblieben – Portugal gilt Ende des 19. Jahrhunderts im Vergleich zu den übrigen europäischen Großmächten als Leichtgewicht und muss unter Karl I. in mehreren kolonialen Konflikten klein begeben. Das stärkt die republikanische Bewegung, die neben dem König vor allem den Klerus für die technologische und wirtschaftliche Rückständigkeit des Landes verantwortlich macht. Ein erster, vom Militär angeführter Aufstand im Januar 1891 misslingt, doch die Stimmung bleibt explosiv und im Februar 1908 fallen Karl I. und sein ältester Sohn Ludwig Philipp einem Attentat zum Opfer. Als daraufhin Manuel II. als einzig verbliebener Sohn den Thron besteigt, ist er erst 18 Jahre alt und zeigt sich in der Folge von seinem Amt mehr und mehr überfordert.

Ruhe kehrt jedoch auch nach der Revolution nicht ein. Angesichts des von vielen Portugiesen als überzogen empfundenen Feldzugs gegen die katholische Kirche kommt es zu mehreren monarchistischen Aufständen, die jedoch niedergeschlagen werden. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs gibt es zudem heftige innenpolitische Diskussionen darüber, ob Portugal in dem Konflikt Partei ergreifen soll – und wenn ja, auf welcher Seite. Dabei setzen sich die Befürworter einer Allianz mit der Triple Entente durch, woraufhin die Regierung im Februar 1916 mehr als 70 in portugiesischen Häfen ankernde deutsche Schiffe beschlagnahmt und sich damit von Seiten des Deutschen Reichs eine Kriegserklärung zuzieht. Am Ende gehört Portugal zwar zu den Siegermächten, erhält im Friedensvertrag von Versailles aber lediglich das Kionga-Dreieck zugesprochen, einen winzigen, zuvor zu Deutsch-Ostafrika gehörenden Landstrich im heutigen Mosambik.

Eine weitere Enttäuschung für viele Portugiesen. Beim inzwischen selbst zur Republik gewordenen Kriegsverlierer Deutschland hingegen herrscht eine Mischung aus blanker Wut und Weltuntergangsstimmung, als im Frühjahr 1919 aus Versailles erste Vertragsdetails wie diverse Gebietsabtretungen, hohe Reparationen und der erzwungene Verzicht auf sämtliche Kolonien an die Öffentlichkeit gelangen. Lintel dürfte da keine Ausnahme machen, mag die Lage im Dorf auch weit weniger schwierig sein als etwa in der Hauptstadt Berlin. Dort und in industriellen Zentren wie dem Ruhrgebiet können nach dem blutig niedergeschlagenen Weihnachtsaufstand vom Dezember 1918 die Kämpfe zwischen rechtsgerichteten Freikorps und den Anhängern einer Räterepublik nach sowjetischem Vorbild jederzeit wieder aufflammen.

Friedas Eltern besitzen in Lintel eine kleine Hofstelle, die ihr Urgroßvater Dierk Runge 1835 aus einem Konkurs gekauft hat. Sie selbst rückt im Frühjahr 1919 in die dritte Klasse der dorfeigenen Volksschule auf, wo unter anderem Hans Geerken und Adolf Nutzhorn zu ihrem Jahrgang gehören. In den folgenden Jahren erlebt Frieda neben der rasanten, sich zur Hyperinflation ausweitenden Geldentwertung mit dem Kapp-Putsch, den Märzkämpfen in Mitteldeutschland und dem Hitler-Ludendorff-Putsch drei weitere erfolglose Versuche, die rechtmäßige Reichsregierung zu stürzen, sowie die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen. Erst die Einführung der Rentenmark und der die deutschen Reparationszahlungen auf eine neue Basis stellende Dawes-Plan bringen ein Stück weit Normalität zurück.

Nach Konfirmation und Schulabschluss bleibt Frieda wie Bruder Heinrich und die jüngere Schwester Emma auf dem familieneigenen Hof, auf dem neben den Eltern auch noch Großmutter Anna Gesine Runge lebt. Letztere stirbt 1928 im Alter von 80 Jahren. Mutter Gesine wiederum ist vermutlich schon länger krank, sie leidet unter einer Herzschwäche und stirbt Anfang April 1934 in einem Oldenburger Krankenhaus. Zu diesem Zeitpunkt regiert in Deutschland bereits der einstige Putschist Adolf Hitler. Dessen Nationalsozialisten haben im Jahr zuvor die Macht übernommen, nachdem die Weltwirtschaftskrise ihnen bei drei aufeinanderfolgenden Reichstagswahlen Millionen von Wählerstimmen zugetrieben hatte. Ganz oben auf ihrer Agenda, neben der Etablierung einer ganz auf ihren Führer zugeschnittenen Ein-Parteien-Herrschaft: eine radikale Revision des Versailler Vertrags sowie die Gewinnung von neuem Lebensraum im Osten.

Da Schwester Alwine in den Sommermonaten auf Wangerooge arbeitet und Hoferbe Heinrich noch unverheiratet ist, übernimmt Frieda im Familienverbund fortan viele Aufgaben der verstorbenen Mutter. Wann und bei welcher Gelegenheit sie ihren künftigen, aus der Nähe von Osterholz-Scharmbeck stammenden Ehemann Klaus Kück kennenlernt, liegt heute im Dunkeln. Als beide am 4. November 1939 heiraten, tobt in Europa bereits der durch den deutschen Überfall auf Polen ausgelöste Zweite Weltkrieg. Da Klaus unmittelbar nach der Trauung wieder zur Wehrmacht abrücken muss, bleibt Frieda mit dem im Januar 1940 geborenen Sohn Hartwig bis auf Weiteres auf dem Runge-Hof wohnen.

Wie oft Frieda ihren Ehemann im Kriegsgeschehen der folgenden Jahre noch zu Gesicht bekommt, ist nicht überliefert. Bei jedem Treffen dürfte sie jedoch ein Stück weit stärker von jener ebenso tückischen wie gefürchteten Krankheit gezeichnet sein, die in Lintel seit vielen Jahrzehnten immer wieder erbarmungslos neue Opfer fordert: Tuberkulose. Die letzten Monate ihres Lebens verbringt Frieda deshalb überwiegend in einer Lungenheilstätte in Oldenburg, mutmaßlich im parallel dazu als Gefangenenlager genutzten Kloster Blankenburg. Rettung gibt es dort für sie freilich nicht.

Frieda stirbt am 10. April 1944 im Alter von nur 33 Jahren. Beerdigt ist sie vier Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude.